Anerkennung ausweiten – oder abschaffen?

Sollte der Staat nichtchristliche Gemeinschaften öffentlich-rechtlich anerkennen, täte er sich keinen Gefallen. Mit dieser These verbindet der Churer Generalvikar Martin Grichting in der NZZ (20. Juli) die Forderung fürs Gegenteil weiterer Anerkennungen: «dass der religiös neutrale Staat sich von seinem Staatskirchentum verabschieden muss».  

Das Zürcher Staatskirchentum geht laut Grichting auf eine vormoderne «Symbiose eines sich als christlich verstehenden Staates mit einer Staatskirche» zurück. Der Staat habe im 19. Jahrhundert gefehlt: «Obwohl er nun begann, sich als religiös neutral zu betrachten, trennte er sich nicht von seiner bisherigen Staatskirche.» Die «verpasste Abnabelung» habe weitreichende Folgen: «Staatlich betriebene Stärkung religiöser Autoritäten fördert Parallelgesellschaften und ist deshalb kontraproduktiv.»

Auf den NZZ-Beitrag haben die Spitzen der Zürcher Katholiken (von Synode und Synodalrat, auch Generalvikar Josef Annen) entschieden ablehnend reagiert. Die staatskirchenrechtlichen Strukturen hätten bei der Anerkennung (1963) nicht bloss das Kirchenvolk, sondern auch die Leiter der Kirche gewollt.

Die Schweizer Bischöfe hätten 2012 den Willen zur Zusammenarbeit einmütig bekräftigt, schreiben die Zürcher Kirchenleiter. Die katholische Kirche sei an der Limmat nicht weniger lebendig als in Genf, wo sie ohne Kirchensteuern auskommen müsse.

Der Redaktor des Pfarrblatts, Thomas Binotto, spricht in seinem Kommentar von einem trojanischen Pferd. Grichting gehe es «allein um die Machtfrage»: Er ziele mit der Forderung, den öffentlich-rechtlichen Status aufzuheben, auf eine «straff hierarchisch geleitete, klerikale, von Männern monarchistisch regierte Kirche».

Die Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr und die SP Schweiz haben bekanntlich vorgeschlagen, die Integration weiterer, auch islamischer Gemeinschaften durch eine Form öffentlich-rechtlicher Anerkennung voranzubringen.

Grichting argumentiert, die Integrationsleistung der katholischen Kirche, bei Zuwandernden namentlich aus Südeuropa erbracht, sei von islamischen und orthodoxen Gemeinschaften nicht zu erwarten. Im Unterschied zu ihnen sei die katholische Kirche zu Beginn der Masseneinwanderung eine «überwiegend von Schweizern bevölkerte Kirche» gewesen.

Quelle: zhkath.ch