Christen und Muslime üben Dialog

Eine «Theologie der Religionen im Angesicht des Anderen» wurde im September im interdisziplinären Workshop «Konvergenzen, Differenzen und Perspektiven im christlich-islamischen Dialog» an der Uni Fribourg geübt.

Der interreligiöse Dialog ist heute ein Weg zum Frieden, hielt Mariano Delgado, Professor für Kirchengeschichte in Fribourg, fest, als er die 70 Teilnehmenden der Eröffnungsveranstaltung am 21. September begrüsste. Dabei ist zweifellos das Schwierigste, «über den Andern im Angesicht des Andern» zu reden, wie Hans-Jürg Schmid, Direktor des neu eröffneten Schweizerischen Zentrums für Islam und Gesellschaft SZIG, als Moderator des Abends ergänzte.

Tobias Specker SJ, Professor für «Katholische Theologie im Angesicht des Islam» in St. Georgen, referierte über «Die Unnachahmlichkeit des Koran». Anschliessend hielt der islamische Theologe Adnane Mokrani, der an der Gregoriana in Rom lehrt, seinen Vortrag über «Tod und Auferstehung von Jesus Christus in islamischer Perspektive».

Tobias Specker hielt fest, dass im Koran – wie auch in der Bibel – «Sprache und Offenbarung sich unmittelbar berühren».  So wie ein verdichteter poetischer Text eine unausschöpfliche Bedeutungsvielfalt enthält, ist auch der Koran unausschöpflich in seiner Bedeutung. Wird das Verhältnis von Offenbarung und Sprache systematisch-theologisch analysiert, ergeben sich Grundlagen für interreligiöse Bezüge.   

Adnane Mokrani plädierte für eine Theologie des Dialogs: «Wir müssen aus unseren Denk-Kategorien, die von der eigenen lokalen Kultur geprägt sind, aussteigen und die Welt, so auch die Theologie – vom Dialog her zu verstehen versuchen.» Als islamischer Theologe versuche er zu verstehen, was Tod und Auferstehung Jesu für Christen bedeutet. «Dieser Glaube – in anderen Worten und Denk-Kategorien ausgedrückt – bringt Christen demselben Ziel näher, das auch Muslime anstreben», sagte er. «Man kann das Wesentliche in der Religion des Anderen unabhängig von dessen Ausdrucksformen schätzen.» Das sei eine notwendige Anstrengung im theologischen wie im spirituellen Dialog.

Die 17 ReferentInnen des Workshops am Freitag und Samstag beschäftigten sich mit kritischem Blick mit Differenzen im christlich-islamischen Dialog – dies aber immer «im Angesicht des Andern». Auch Perspektiven im theologischen Diskurs wie in konkreten, aber theologisch reflektierten Erfahrungen – anhand des Basisdialogs in Kleinbasel zwischen der katholischen St. Joseph-Pfarrei und der sunnitischen Gemeinde der Kasernen-Moschee – wurden aufgezeigt.

Der interdisziplinäre Workshop «Konvergenzen, Differenzen und Perspektiven im christlich-islamischen Dialog» wurde organisiert vom Institut für das Studium der Religionen und den interreligiösen Dialog (IRD) und dem Schweizerische Zentrum für Islam und Gesellschaft (SZIG) an der Universität Fribourg. in Zusammenarbeit mit der im interreligiösen Dialog besonders engagierten Fokolar-Bewegung.

Bild oben: Adnane Mokrani, Hans-Jürg Schmid und Tobias Specker (v.l.) an der Eröffnungsveranstaltung.

Text und Bild: Beatrix Ledergerber-Baumer