Engel-Genealogie

Die Freiburger Ausstellung «Engelwelten» situiert die Hintergründe von christlichen Engelvorstellungen in den Religionen des Orients und assoziiert sie mit ihren Kulten. Konzipiert hat sie der emeritierte Alttestamentler Othmar Keel. 

Im alten Ägypten wurde an Anubis als Begleiter in die Totenwelt geglaubt und an den ibisköpfigen Thot als Götterboten. Die Freiburger Ausstellung zeigt Dutzende Skarabäen (Amulette) und Rollsiegel aus Mesopotamien. Kerubim und Serafim klassiert Keel als «tiergestaltige Engel». Wie die heidnische Welt kenne auch die Bibel einen himmlischen Hofstaat mit neun Klassen von «Engel-Beamten».

Die Vorstellung, dass Engel kämpfen, gab es gemäss der Ausstellung in Vorderasien schon im dritten Jahrtausend vor Christus. Den Drachenkampf wertet Keel als gefährlichsten aller Mythen («jede Möglichkeit zur Versöhnung fehlt») und stellt ein Nazi-Plakat von 1943 in den Raum.

Der Erzengel Michael, Beschützer des Gottesvolks, wird da eingeordnet. Schutz mit ihren Flügeln habe aber schon die ägyptische Göttin Isis ihrem Sohn Horus geboten. Laut der Ausstellung ist die Darstellung von Schutzengeln im Christentum erst seit dem 19. Jahrhundert geläufig.

Dass Engel seit dem Mittelalter mit Flügeln dargestellt werden, bringt die Ausstellung mit der antiken Siegesgöttin Nike/Victoria (im Kaiserkult aufgenommen) in Zusammenhang. Als Christus vom 5. Jahrhundert an die Stelle des Kaisers einnahm, wurden laut den Ausstellungsmachern die Victorien zu Engeln und vermittelten diesen «ihre Flügel und das weibliche Geschlecht». Die süsslichen Engelknaben (Putti) haben keine biblischen Ahnen; sie gehen direkt auf hellenistische Darstellungen von Eros/Amor zurück.

Ausstellung «Engelwelten» bis 25. Februar 2018 im Museum für Kunst und Geschichte, Murtengasse 12, Freiburg, Dienstag bis Sonntag 11-18 Uhr, Donnerstag 11-20 Uhr. www.mahf.ch