Ernüchterung in der Zürcher Strukturreform

Die Zürcher Kirchensynode hat am 23. März in Bülach Bruno Kleeb aus Bauma in den Kirchenrat gewählt. Er war nach dem Rücktritt von Daniel Reuter von der Evangelisch-kirchlichen Fraktion nominiert worden.

Der 49jährige Heimleiter aus Bauma hat zehn Jahre der GPK der Synode angehört und sie vier Jahre präsidiert. Die Vorsitzenden der drei anderen Fraktionen empfahlen Kleeb nach den Hearings als pragmatisch und konsensfähig.

Kleeb erhielt 62 von 110 Stimmen, der in der Versammlung überraschend vorgeschlagene Philipp Nussbaumer, Geschäftsführer der Zürcher Streetchurch, 45 Stimmen.

Die Synodalen führten zum Stand der Strukturreform KirchGemeindePlus (KGP) eine Aussprache durch. Ein ernüchternder Zwischenbericht des Instituts Interface, das für die Landeskirche die Begleitforschung macht, zeigt diverse Mängel auf.

Die erwarteten Wirkungen (neue Kirchenformen, mehr Lebenswelten erreicht, Nähe zu Zielgruppen, Kirche als attraktive Arbeitgeberin, Kirchenpflegerrekrutierung erleichtert, gesellschaftliche Relevanz) sind noch nicht eingetreten bzw. nicht feststellbar. Der Bericht konstatiert einen grösseren Arbeitsdruck beim Personal und teilweise Unklarheit über Rollen.

In der synodalen Aussprache wurde gesagt, dass fusionierte Gemeinden sich noch neu ausrichten müssen («Identitätsprozesse») und dafür Beratung brauchen. Ein Votant betonte, die Wirkung an der Basis, das Motivieren und Mobilisieren von Kirchenmitgliedern müsse als Gradmesser für den KGP-Prozess gelten. Und kritisierte, dass ein theologisches Fundament für das Zielbild von Kirche immer noch fehlt. Reformierte bräuchten «überschaubare Einheiten, die möglichst autonom funktionieren».

Mehrere Synodale wandten sich gegen Bestrebungen, das 2018 beschlossene 50-Prozent-Pfarrpensum für Kleingemeinden abzuschaffen. Viele Gemeinden ziehen die Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden der Fusion vor. Die Empfehlung im Zwischenbericht, Beteiligung stärker zu fördern, wurde von Synodalen unterstrichen. Und der Kirchenrat gefragt, ob er Gemeinden wirklich zugestehe, dass sie die Ziele von KGP ohne Fusion erreichen.

Die neue EKS-Präsidentin Rita Famos legte den Synodalen in einem Grusswort ihre Perspektive für die Reformierten dar. Sie konstatierte einen zunehmend prekären Status der Kirchen im Staat. Als diskursfähige Kirche seien aber die Reformierten «vorbereitet für die Fragen der Postmoderne». Verschiedene Strömungen unter ihrem Dach verhinderten eine Engführung.

Ausführlicher Bericht auf www.evangelisch-zuerich.ch      Bild: Zürcher Landeskirche/Gion Pfander