«Fluech u Säge»: Reise ins 16. Jahrhundert

Das in der Berner Reformation geschaffene Chorgericht sollte im Dorf für bessere Sitten sorgen. Am Drama «Fluech u Säge» im Seeländer Dorf Müntschemier lässt sich ablesen, was da abgehen konnte.

Für das Drama, das im 16. Jahrhundert spielt, hat der langjährige Dorfpfarrer Ueli Tobler die Chorgerichtsakten gelesen. Im Prolog fordert der Maler Niklaus Manuel, Schöpfer des Berner Totentanzes, eine Läuterung des Gemeinwesens und der vor Missständen strotzenden Kirche. Er wird deswegen als Landvogt nach Erlach versetzt.

Der Amtsnachfolger Manuels besucht in Müntschemier den Gottesdienst. Da provozieren Sauf- und Spielkumpanen Hans Glötzli, einen grundanständigen armen Bauern, zu einem Kraftwort und legen es ihm als Fluch auf die Obrigkeit zur Last. Dem absehbaren Urteil des Chorgerichts entzieht er sich, indem er die Familie verlässt, flieht und sich in Frankreich als Söldner verdingt. Glötzlis verarmen. Wie kann die Dynamik des Fluchsgebrochen und Verderben in Segen verwandelt werden?

Das Stück zeigt, was es hiess, dass das Dorf wöchentlich mehrere Gottesdienste geschlossen besuchte, zu besuchen hatte und Lieder wie auch die Zehn Gebote gemeinsam auswendig lernte, dass das Chorgericht über Privates urteilte und auf diese einschneidende Weise auch Unheil vom Dorf fernzuhalten suchte.