Liebe, Macht, Missbrauch

Am Willow-Leitungskongress 2020 in Karlsruhe Ende Februar sprach der Greifswalder Theologe Michael Herbst über den Umgang mit Macht. «Macht ist ein gefährlicher Rohstoff, wie Braunkohle – sie wärmt, ist aber dreckig.»

Daher bräuchten Macht-Menschen Begrenzung und Kontrolle. Herbst: «Wenn ihr leitet, dann sorgt dafür, dass es immer einen gibt, der euch die Wahrheit sagen darf. Ihr müsst das wollen, auch wenn ihr es nicht mögt.»

Religiöser Machtmissbrauch geschehe, wenn «gefährliche Leiter» auf «verletzliche Follower» treffen – in einem Umfeld, das den Missbrauch duldet. Das Ziel von Jesus sei für alle ein mündiger Glaube gewesen. «Wer Macht hat, soll dienen.»

Die ruandische Autorin Immaculée Ilibagiza schilderte Versöhnung nach dem Genozid 1994, in dem ihre Familie umkam. Die Kraft der Liebe und Vergebung könne auch die furchtbare Gewalt eines Völkermords überwinden. «Wir sollten nicht dem Gift hasserfüllter Gedanken Raum geben.»

Andreas Boppart, Leiter von Campus für Christus, sprach die verbreitete Liebes-Unfähigkeit in der Gesellschaft und Gehässigkeiten unter Christen (namentlich auf Social Media) an. Er rief dazu auf, «liebesfähige Gemeinden» zu bilden, die aufblicken auf den gekreuzigten Christus.

Gemeinde von heute sei nicht die Lösung für morgen; diese müsse gemeinsam entwickelt werden. Christen und Gemeinden sollten «vom Alles- und Besserwisser wieder zum Nichtwisser» werden und «Mut haben, Dinge nicht zu wissen – im Vertrauen auf Gott, der die Lösung kennt».

Die US-Autorin Danielle Strickland befasste sich mit sexuellem Missbrauch in Kirchen. Christen sollten «den Mut haben, den Frauen und ihren schlimmen Erfahrungen zuzuhören». Die Kultur sei durch Zusammenarbeit von Männern und Frauen zu verändern.

Johannes Hartl, Leiter des Gebetshauses Augsburg, sprach über die Schönheit der Schöpfung. Sie motiviere zur persönlichen Lebensgestaltung und fördere die Anbetungshaltung in einer Gemeinde und eine «liebevolle Exzellenz» in der Gemeindearbeit. Die Moderne sorgt laut Hartl für einen «konsumierenden Blick: Wir verlieren den Geschmack am Sein.» Das liebevolle Betrachten dessen, was da ist, sei wieder zu lernen.

Mit Blick auf die Anbetung empfahl Hartl zu fragen: Wie müsste Gemeinde aussehen, in der Gott sich willkommen fühlt? Und äusserte pointiert: «Das Einzige, was attraktiv ist an Gemeinde, ist Jesus. Wenn er da ist, verbreitet sich ein angenehmer Duft.»

Zum Willow-Leitungskongress 2020 kamen 7400 Teilnehmer in die Messe Karlsruhe. Weitere 2850 folgten den Vorträgen an 13 Übertragungsorten in Deutschland.

Der Vorsitzende von Willow Creek Deutschland, Ulrich Eggers, sagte angesichts des Missbrauchskandals um den Willow-Gründer Bill Hybels, die Krise sei «ein vermehrter Auftrag für uns, gut hinzusehen». Man wolle jetzt erst recht investieren in gute Leitung und missionarischen Gemeindebau.

Der Kongress, der am 27. Februar begann, wurde wegen eines Corona-Falls am 29. Februar vorzeitig abgebrochen.

Website      Quelle: Willow Creek