Muslim-Vertreter im Rat der Religionen in schiefem Licht

Im Oktober 2016 hat Montassar BenMrad am neunten «Eurasisch-islamischen Rat» in Istanbul mit dem türkischen Präsidenten Erdogan teilgenommen. Der gebürtige Tunesier ist als Vorsitzender der Föderation islamischer Dachorganisationen in der Schweiz (FIDS) Vizepräsident des Schweizerischen Rates der Religionen.

Die von der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet organisierte Konferenz beschloss laut dem Tages-Anzeiger, die Gülen-Bewegung könne nicht länger als religiöse Gemeinschaft anerkannt werden, da sie den Islam als Instrument der Ausbeutung missbrauche und dessen moralische Werte verraten habe.

Gottfried Locher, der reformierte Prä­sident des Schweizerischen Rates der Religionen, zeigte sich laut dem Tages-Anzeiger alarmiert über die Teilnahme seines Vize am Gipfel in Istanbul. Der Rat der Religionen sei politisch neutral – das gelte auch für internationale Politik und somit auch für die Türkei. «Wir müssen verhindern, dass Religion für politische Zwecke missbraucht wird. Die Spannungen in der Türkei schwappen nun in die Schweiz über», sagte Locher der Zeitung. Er erwarte, «dass die Spitzenvertreter der muslimischen Verbände politisch strikt neutral bleiben.»

BenMrad gab auf Anfrage an, er sei als Vertreter der Fids nach Istanbul gereist. Über die Erklärung sei nicht abgestimmt worden. Was die internationale Politik anbelange, wolle er neutral bleiben und sich darum nicht zu Erdogan und dessen Referendum äussern.

Philippe Dätwyler, zuständig für den interreligiösen Dialog der reformierten Zürcher Landeskirche, konstatiert bei vielen Muslimen in der Schweiz Bewunderung für Erdogan. Am offensichtlichsten sei dies bei den rund 50 Diyanet-Moscheen mit 36 von der Türkei bezahlten Imamen. Vermutlich hege die Mehrheit der 300 Moscheevereine in der Schweiz Sympathien für Erdogan und dessen Verfassungsreform. Auch den konservativen albanischen Moscheen wird eine grosse Nähe zur Türkei und ihrem Präsidenten nach­gesagt.

Quelle: Tages-Anzeiger, 1. April 2017