Mutiger Akzente setzen: Wolfgang Huber in Ittingen

Wie kann theologisches Denken in der pluralen Welt öffentlich und wirksam werden? Wolfgang Huber plädiert dafür, die politische Agenda stärker zu bespielen und mutiger öffentlich Akzente zu setzen.

Huber, bis 2009 Ratsvorsitzender der EKD, sprach am 20. April an der Internationalen Theologischen Bodenseekonferenz in der Kartause Ittingen. «An Themen mangelt es nicht», meinte er, «nur an Mut, bei diesen eine eigene Perspektive zu vertreten und nicht zu sagen, was alle sagen.»

Huber erläuterte dies mit Verweis auf die Ost-Denkschrift der EKD von 1965, die den Spielraum politischen Handelns erweiterte – «eine starke Ermutigung, ja eine Befreiung». Später habe vor allem die Demokratie-Denkschrift von 1985 Spuren in der Gesellschaft hinterlassen. Protest und ziviler Ungehorsam wurde da nicht mehr mit einer Institutionenverachtung gleichgesetzt, sondern ausdrücklich gebilligt. Er

Huber wiederholte sein Diktum vom Düsseldorfer Kirchentag 1985: «Alle, denen Macht anvertraut ist in Staat und Gesellschaft, sollen wissen: Ihr müsst mit den Christen rechnen. Aber ihr könnt auch mit uns rechnen.» Der gewaltlose Protest, angedacht in der Denkschrift, wurde ein Markenzeichen der Wende 1989.

Heute sei es aufgrund der gesellschaftlichen Pluralisierung schwieriger für die Theologie, in die Öffentlichkeit hineinzuwirken, räumte Huber ein. Er kritisierte die Tendenz der Kirchen, sich deshalb immer mehr zurückzuziehen und das Feld anderen Akteuren zu überlassen.

Das Reformationsjubiläum – es sei inhaltlich wenig gefüllt worden – oder die Frage der Digitalisierung seien als Möglichkeiten zu begreifen. Da dürfe die Theologie nicht einfach die politische Agenda der Zeit übernehmen und kommentieren, sondern habe selber Akzente zu setzen. Entscheidend für die Theologie sei, Beziehung zu Gott zu betonen.

Quelle: Thurgauer Landeskirche