Der Hauptauftrag des Weltkirchenrates

Der missionarische Auftrag ist mehr als diakonia und Entwicklungshilfe. Dies rief Papst Franziskus bei seinem Besuch in Genf am 21. Juni 2018 in Erinnerung. Er mahnte den Ökumenischen Rat der Kirchen, Evangelisation und Mission wieder zu priorisieren.

Der Auftrag er dürfe «weder entleert noch vergessen werden». An diese Worte des Bischofs von Rom erinnert Thomas Schirrmacher von der Weltweiten Evangelischen Allianz in seinem aktuellen Newsletter.

Evangelisation und ökumenische Einheit hätten bei der Gründung des ÖRK zusammengehört, hielt der Papst in Genf fest. «Unsere Identität hängt davon ab», sagte der Gast aus Rom zum 70. Geburtstag des ÖRK. «Die Verkündigung des Evangeliums bis zu den äussersten Grenzen gehört zum Wesen unseres Christseins.»

Der Papst aus Argentinien sprach von der Versuchung, «sich entsprechend weltlicher Denkmuster aufzudrängen». Und fand es nötig, daran zu erinnern, «dass die Kirche Christi durch Anziehung wächst». Diese Anziehung hange nicht an Ideen, Strategien oder Projekten: «An Jesus Christus glaubt man nicht mittels einer Sammlung von Ja-Stimmen, und das Volk Gottes ist nicht auf den Rang einer NGO herabzustufen.»

Franziskus zitierte Philipper 3,10 und 2. Korinther 4,6: Die Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi sei der Schatz, den die Kirchen der Welt anbieten müssten. «Wir wären der uns anvertrauten Sendung nicht treu, wenn wir diesen Schatz auf den Wert eines rein diesseitigen Humanismus reduzieren würden, der sich den Moden des Augenblick anpasst.»

Nötig sei ein neuer Schwung bei der Evangelisierung, fuhr der Papst fort. «Wir sind gerufen ein Volk zu sein, das die Freude des Evangeliums lebt und teilt, das den Herrn lobt und den Brüdern dient, mit dem brennenden Wunsch in der Seele, die unerhörten Horizonte der Güte und der Schönheit denjenigen zu erschließen, die noch nicht die Gnade erhalten haben, Jesus wirklich zu kennen.»

Für Thomas Schirrmacher, Leiter der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA), kamen diese deutlichen Worte des Papstes überraschend. Er schreibt in seinem Newsletter, auch die WEA sollte sie selbstkritisch aufnehmen.

Ansprache von Papst Franziskus in Genf   
Newsletter von Thomas Schirrmacher

Bild: © Thomas Schirrmacher