Reformierte Identität heute

hc. In der Besinnung auf unsere reformierte Identität setzen wir bei den Wurzeln, bei unserer eigenen Geschichte an. Das Fundament aller reformatorischen Bemühungen war die Ueberzeugung, dass Gott jede und jeden Einzelnen ermächtigt, ihn im Lesen und Hören der Bibel zu erkennen, weil er selber durch das biblische Wort zu den Menschen spricht. Deshalb ist und bleibt dieses Wort Gottes der alleinige Massstab unseres reformierten Glaubens und Kirche-Seins – nicht eine kirchliche Hierarchie, nicht Synodenbeschlüsse, auch nicht eine von Gott losgelöste Vernunft.

Eine für Gott offene Vernunft begegnet ihm in seinem Wort, insbesondere dann, wenn dieses Hören in Gemeinschaft mit anderen geschieht. Es kann keine sakrosankte Gestalt reformierter Lehre und reformierter Kirche geben. Die Reformatoren sind für uns keine unfehlbaren Glaubenshelden, jedoch Vorbilder im Hören auf Gottes Wort. Reformierte Kirche ist immer selbstkritisch. Sie verschliesst sich nicht Anfragen von aussen, die sich auf eben jenes Wort berufen. Das macht sie ökumenefähig. Als Reformierte können wir sagen: So glauben wir, das ist unsere Geschichte, bitte erzählt uns eure Geschichte – und lasst uns gemeinsam die Bibel zu verstehen versuchen!

Die Tatsache, dass unsere Erkenntnis und Lehre immer lückenhaft und begrenzt sind, macht uns bescheiden. Auch unsere kirchlichen Organisationsformen sind nie vollkommen. Diese Defizite können schmerzen. Sie fordern uns aber auch heraus, immer neu auf Gott zu hören, neue Wege zu versuchen und Neues zu erbitten. "Ecclesia reformata semper reformanda secundum verbum Dei". Reformierte sind unterwegs – und wir haben Weggenossen.

G. Locher: Reformiert, reformiert!  
P. Opitz: Bausteine zu einer heutigen reformierten Identität
P. Dettwiler: Reformiertes Profil in der Spannung zwischen Vielfalt und Einheit