Reformierte und Täufer im Hauptbahnhof

Mit der Beteiligung von Mennoniten haben die Zürcher Reformierten zum Beginn des Reformationsjubiläums einen ökumenischen Akzent gesetzt. Am 6. Januar, dem ersten Abend in der Halle des Hauptbahnhofs, wo der Reformationstruck zu Gast war, wirkte Jürg Bräker, Generalsekretär der Schweizer Mennoniten, mit.

Die Täufer und die Reformierten blickten gemeinsam «auf 500 Jahre Reformieren» zurück, sagte Bräker in seinem Grusswort. «Die Geschichten von unseren Ursprüngen in Zürich sind so eng miteinander verschlungen, dass wir sie eigentlich nur gemeinsam erzählen können.»

Bräker erwähnte die Versöhnungsschritte der letzten Jahrzehnte als «ein sehr wichtiges Zeichen in unserer Zeit: Tiefe trennende Gräben können überwunden werden; auch wo Differenzen zwischen Glaubenspositionen in der Vergangenheit unüberbrückbar schienen, ist Versöhnung möglich.»

Laut Bräker konnten die ersten Täufer in Zürich als gefährliche Gruppe gesehen werden. «Sie wollten so leben, wie Jesus von Nazareth mit seinen Nachfolgern lebte, in aller Konsequenz. Seine Lehre sollte das ganze Leben bestimmen», auch das gemeinschaftliche. Heute würde man eine Radikalisierung konstatieren.

Dabei, so Bräker, ist zentral, was die Täufer damals aus dem Leben von Jesus herauslasen: die Gewaltlosigkeit. «Lieber starb er, als dass er zu Gewalt gegriffen hätte, um seine Glaubensgemeinschaft zu schützen und den Fortbestand seines Glaubens zu sichern.“ Gewaltfreiheit „setzt darauf, dass die Wahrheit sich selbst Raum verschafft, wenn sie glaubwürdig gelebt und bezeugt wird. Da gibt es keine Erfolgsgarantie. Das durchzuhalten, kann sehr viel kosten.»

Der Staat sei heute nicht mehr repressiv, bemerkte Jürg Bräker, sondern freiheitlich. «Ein solch plurales Gebilde ist aber fragil und fällt auseinander, wenn es nicht auch von gemeinsamen Überzeugungen getragen wird.» Dass diese wachsen könnten, liessen die Versöhnungsschritte der letzten Jahrzehnte hoffen.

Ausführlicher Bericht von den Anlässen im Hauptbahnhof