Religion – raus aus der Öffentlichkeit?

An einer Tagung in Fribourg am 15. März debattierten Vertreter aus Politik, Wissenschaft und verschiedenen (a)religiösen Organisationen über Religion und Glauben in der Öffentlichkeit. Angeregt diskutiert wurde die Frage des Verhältnisses von Kirche und Staat.

Religionsgemeinschaften leisten wichtige Beiträge für das Gemeinwohl und die gesellschaftliche Entwicklung (etwa Hilfe an Flüchtlingen). Nach wie vor ist Religion für Menschen in der Schweiz eine wichtige Grundlage für ihr gesellschaftliches Engagement. Andererseits wollen Freidenker Religion ganz ins Private verweisen.

Professor Heiner Bielefeldt, ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit, plädierte in Fribourg für die öffentliche Präsenz von Religion. «Mit ‹stummer Andersheit› kann man nicht umgehen. Deshalb zielen die Menschenrechte – und gerade auch die Religionsfreiheit – darauf ab, dass Menschen ihre Überzeugungen frei und öffentlich artikulieren können.»

Laut Bielefeldt verletzt ein Staat, der religiöse Fragen in die Privatsphäre abdrängt, die Religionsfreiheit. Eben dies stellte EVP-Nationalrätin Marianne Streiff auf dem Podium fest: «Es wird heute schon fast als übergriffig dargestellt, wenn man seine Religiosität noch öffentlich zeigt.»

Andreas Kyriacou von der Freidenker-Vereinigung gesteht Religionsgemeinschaften Öffentlichkeit zu. Der Staat solle aber religiöse Organisationen gleich behandeln wie andere zivilgesellschaftliche Akteure, etwa Umweltschutzorganisationen.

Für Nationalrat Gerhard Pfister wäre es durchaus reizvoll zu sehen, wie die Landeskirchen sich ohne staatliche Gelder schlagen würden. «Es würde sie möglicherweise aus einer gewissen Bequemlichkeit herausholen.»

Neben Referaten und Podiumsdiskussion vertieften die Teilnehmer an der von der Universität Fribourg und der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA organisierten Tagung die Rolle von Religion in der Öffentlichkeit in verschiedenen Workshops.

Quelle: SEA, Bearbeitung: LKF