LKF-Tagungsberichte

Freiwillige, ermutigt und freigesetzt, lassen Kirchgemeinden Flügel wachsen. Geistliche Einstellungen, ein sorgfältiges Miteinander und Ermächtigung durch Leitende tragen zur Dynamik bei. An der Tagung des Landeskirchen-Forums LKF in Wil SG am 3. September 2016 schilderten Reformierte aus Bischofszell, Basel-Gellert und Horw, wie sie Freiwillige fördern und was sie dafür einsetzen.
Der Theologe Klaus Douglass plädierte, auf die Gaben und Neigungen Einzelner einzugehen und Gemeinde von ihnen her zu entwickeln. 500 Jahre nach der Reformation gelte es das allgemeine Priestertum zu verwirklichen.

Im Abendmahl ist Christus in der Gemeinde anwesend. Die Tagung des LKF am 5. März 2016 in Basel gab Impulse zur Verankerung der Feier im Alltag der Kirchgemeinde. Regelmässige Praxis und tieferes Verständnis des Abendmahls bedingen sich gegenseitig. Die Freude am Tisch des Herrn stärkt und verbindet.
Die Tagung schlug den Bogen von Jesu Worten zum Abendmahl als Gabe für die Gemeinde, zum Geheimnis für postmoderne Menschen. Jesus hat uns das Abendmahl aufgetragen, weil wir in seiner Feier Gott erkennen, sagte Silvianne Bürki. Ralph Kunz tischte «Brocken zur Vermehrung des Abendmahlshungers» auf.

Die Erneuerung der Kirche kann gelingen; zu machen ist sie nicht. Die Tagung in Zürich am 29. August 2015 machte Mut, benannte aber auch, was bremst. Entscheidend ist laut Prof. Michael Herbst die Motivation der Christen fürs Reich Gottes. Sie ist wesentlich fürs Weitergeben des Glaubens an die nächste Generation. Die Erneuerung der Kirche beginnt mit Menschen, die Jesus nachfolgen und so Gemeinschaft werden. „Erst Jesus, dann unsere Sendung, dann die neuen Ausdrucksformen von Kirche.“
Kirchgemeinden sollten mehr tun, damit Glaubende im Glauben erwachsen werden. Einführende Glaubenskurse genügen nicht. Weitere Referate und sieben Workshops ergaben eine facettenreiche Tagung.

Gebet ist ein Schatz, in der Gemeinde zu heben zu gemeinsamer Freude und grösserer Kraft. An der LKF-Tagung in Aarau am 21. März 2015 kam die immense Spannweite des Gebets zum Ausdruck: Es ist spontan oder sorgfältig gestaltet, intimes Zwiegespräch mit Gott – und Eintauchen in die weltumspannende Gemeinschaft.
Gebet schliesst der Gemeinde Neues auf, in der Diakonie wie in geistlicher Leitung. Am Nachmittag wurde auch die politische Dimension des Gebets deutlich.

Wie lässt sich das Jubiläum der Reformation feiern ohne ernsthafte Schritte zu Evangelischer Einheit? Die Zersplitterung der Evangelischen schadet ihrem Kirche-Sein und dem öffentlichen Auftritt. Reformierte und Freikirchler haben viele gute Gründe, aufeinander zuzugehen und die Zusammenarbeit zu suchen.
Evangelische Christen haben "„aufgrund ihrer reformatorischen Herkunft ein Bewusstsein der Abgrenzung". Dies sagte Dr. Walter Dürr, Freiburg, am Forum Rätia „"Evangelische Einheit“" am 29. August 2014 in Chur. Das Reformationsjubiläum steht bevor. „"Werden wir feiern, dass wir uns getrennt haben? Dass wir speziell sind?" Im Austausch am Abend wurde deutlich, wie viel Landes- und Freikirchen gewinnen, wenn sie am Ort zusammen beten und tätig werden.

Die Zäune und Barrieren zwischen Landes- und Freikirchen sind nicht der Wille des Herrn, der eine Kirche stiftete. „Durch Jesus Christus, mit dem Evangelium, führt Gott Menschen, die durch alle möglichen Trennungen zersplittert sind, zur Einheit zusammen“, betonte Matthias Zeindler von der Berner Landeskirche vor Reformierten und Freikirchlern an der Tagung am 20. Juni 2014.
Vielfalt ist zu begrüssen, weil der Heilige Geist vielfältig wirkt und unterschiedliche Charismen schenkt. Laut Kurt Kammermann leisten sich Evangelische den Luxus, über Temperamente, Gemeindekulturen und Stilfragen zu streiten, wo es darauf ankäme, „den Ball zu spielen“. Es gelte, von Jesus zu lernen und Freunde zu werden.

Vergebung ermöglicht Versöhnung und so werden Beziehungen wiederhergestellt. Was kann die Beichte dazu beitragen? Dazu führten die Fokolar-Bewegung und das Landeskirchen-Forum am 15. März 2014 in Frauenfeld gemeinsam eine Tagung durch. Ausgehend von den ersten Christen legte Eva-Maria Faber das Werden des «Sakraments der Versöhnung»“ dar.
Sr. Doris Kellerhals schilderte das Befreiende der Vergebung, die empfangen, gewährt und weitergegeben wird. Und verwies auf Martin Luther: «„Frei, willig und gern soll man beichten.» Die Tagung bot Seelsorge an. Die Workshops brachten Versöhnungserfahrungen und -feiern zur Sprache.

Mit Saiten, Pfeifen, Hörnern und Stimmen will Gott gelobt werden. Aber wie? Dass die Kirche mit populärer Musik und Worship gewinnt, wird bestritten. Experimentierfreudige Kirchgemeinden ringen mit einer Flut neuer Songs. Profilierte Vertreter der Szene legten am 7. September 2013 ihre Vorstellungen dar. Und musizierten miteinander. „
Der St. Galler Musiker Andreas Hausammann bezeichnete Populäre Kirchenmusik als Herausforderung und Chance: Es gelte die Palette der Ausdrucksmittel zu verbreitern und die kirchenmusikalische Tradition fortzuführen. Exponenten der Berner Kirchenmusikszene regten die Begegnung verschiedener Klänge und Stile an: „"Pole zusammenziehen, die einander oft nicht suchen"“, wie der Liedermacher Markus Dolder sagte.

Die Hoffnung aufs ewige Leben macht froh und gibt in allen Umständen Mut. Denn Gott hat die Initiative ergriffen, um den Riss in der Schöpfung zu heilen. Christian Stettler betonte am 8. Juni 2013 in Zürich, dass der Schöpfer daran ist, seine Welt zu erneuern. Wer ihm dies zutraut, hat Trost im Leiden und Sterben. Auf die Auferstehung von Jesus gründen wir unsere Hoffnung für Endgericht und Ewigkeit.
An Ostern begann mit der Auferweckung Jesu die neue Schöpfung. Bei ihrem endgültigen Durchbruch werden die Toten leiblich auferstehen. Martina Holder schilderte, wie die Hospiz- und Palliativ-Pionierin Cicely Saunders um das geistliche Wohl für Sterbende rang. In den Workshops ging es um Hoffnung aufs ewige Leben im Kinderspital, in der Begleitung von Trauernden, bei Abdankungen und im Alltag.

Bei der Taufe erwarten die Eltern Segen für ihr Baby. Erwachsene wünschen ihren neu gewonnenen Glauben mit einer Erfahrung spirituell zu vertiefen. Am 3. November 2012 hat das LKF erörtert, wie in der erlebnishungrigen Gesellschaft angemessen getauft werden kann. Wollen und können die Eltern ihrem Kind die christliche Erziehung geben, die bei der Taufe zu versprechen ist? Was geschieht da überhaupt? Gibt es „Taufe ohne Glauben?
An der Tagung in Liestal war die Spannung zwischen dem volkskirchlichen Taufverständnis und heutigen Erwartungen in Gemeinden mit Händen zu greifen. Für Peter Wick, Neutestamentler in Bochum, ist die Grundfrage: Handelt der Mensch mit und in der Taufe allein oder handelt ausser dem Menschen auch Gott? Die Kleinkindertaufe macht Sinn, wenn Gott etwas bewirkt, was dem Täufling nicht vorenthalten werden darf. Workshops zeigten kreative Ansätze auf.

In die Ehe investieren lohnt sich. Der Paarforscher Prof. Guy Bodenmann hat am 2. Juni 2012 in Zürich Wege zur nachhaltigen Pflege der Partnerschaft aufgezeigt. Die Tagung „schlug den Bogen von der Kunst, die Ehe prickelnd zu gestalten, zu Kirchgemeinden, die Familien kreativ beistehen. „Laut Bodenmann nimmt die Zufriedenheit von Paaren durch Entfremdung und zunehmende Leere ab. Fliegen die Kinder aus, kommt es besonders auf den Willen zum Zusammenbleiben an.
„Längerfristige Liebe erfordert ein dreifaches Commitment“, sagte der Paarberater: sexuelle Treue, den Vorsatz der emotionalen Nähe und eine Einstellung, die dem Erhalt der Beziehung dient. Entscheidend sei gehaltvolle, gemeinsam verbrachte Zeit, die das Wir-Gefühl stärkt. Arbeiten zur Stärkung von Ehen und Familien wurden in fünf Workshops vorgestellt. Pfr. Dr. Christoph Monsch und seine Frau Cornelia legten ein Konzept für die Eheseelsorge dar.

Gegenwind aus der Gesellschaft kann die Volkskirchen weiter bringen, wenn sie sich missionarisch ausrichten und das Dienen in den Mittelpunkt stellen. Hans-Hermann Pompe vom EKD-„Zentrum für Mission in der Region schilderte am 9. September 2011 in Bern, wie man in deutschen Kirchen versucht, Ortsgemeinde und Region neu abzustimmen. „"Was alle angeht, gehört in die Region", etwa Efforts zur Vermittlung des Evangeliums in postmoderne Milieus und Mentalitäten.“ Weiterhin ist auf die Nähe und Erreichbarkeit der Ortsgemeinde zu setzen.
Alex Kurz und Samuel Reichenbach, Pfarrer in Rohrbach im Oberaargau, fördern das Gespräch über den Glauben in themenbezogenen Gruppen, die sich ein Jahr lang vierzehntäglich treffen. Kurz mahnte, nicht mit Wachstum und Planungen das Überleben der Kirche sichern zu wollen, sondern um Wachheit zu ringen, die Begegnung mit Menschen zu suchen und für Unverfügbares offen zu sein.

«Wo Gemeinden aufblühen, ist das diakonische Handeln ein prägendes Element.» Die LKF-Tagung am 6. Mai 2011 in Aarau zeigte auf, wie das Miteinander von Wort und Tat die Gemeindeentwicklung fördert. Paul Kleiner vom TDS Aarau stellte die Heilung der zehn Aussätzigen (Lukas 17) ins Zentrum. Anhand des Vorgehens Jesu zeigte er acht Aspekte des diakonischen Handelns auf. Zunächst gelte es, mutig Grenzen zu überschreiten und sich dem Fremden, Unbekannten, Verachteten oder gar Feindlichen zuzuwenden. Es brauche Neugier und Mut, Grenzen zu überschreiten.
Den entscheidenden Satz Jesu: «Steh auf und geh!» stellte Kleiner ans Ende seiner Ausführungen. Die prägnante Aufforderung Jesu befreit und führt zu einem aufrechten Gang. Wo Menschen dank diakonischer Unterstützung ihren Wert erfahren und selbst wieder gehen lernen, sind sie auch bereit, anderen Menschen Zuwendung zu schenken.

Anerkennung in Liebe ist ein Schlüssel, wenn die Reformierten sich neu zu verstehen üben. Christen in verbindlicher Gemeinschaft, evangelische Ordensgemeinschaften und Bewegungen geben wesentliche Impulse für die Erneuerung der Kirche. Ihrem Potenzial haben das Landeskirchen-Forum und das Forum Evangelischer Ordensgemeinschaften der Schweiz am 5. Februar 2011 in Basel nachgespürt.
Familie sei die Grundstruktur von Kirche“, sagte der Basler Kirchenratspräsident Lukas Kundert. In der Krise der Institutionen Kirche und Familie haben die Kirchen mehr Grund, Kommunitäten einzuschliessen und zu fördern, da sie den Glauben «„lokal verdichtet»“ gemeinsam leben. Dies führte Sr. Doris Kellerhals, Oberin der Riehener Diakonissen, in einem Vortrag aus. Workshops brachten den Reichtum gemeinschaftlichen Lebens zum Ausdruck.

Was sind zeitgemässe Gottesdienste? Mit der St. Galler Kirche erörterte das LKF am 30. Oktober 2010, was bei der Erneuerung des Gottesdienstes zu beachten ist. Sie gelingt nicht ohne Besinnung auf das Wesen der Kirche. Denn Gottesdienste werden als ihr Kerngeschäft wahrgenommen. Laut LKF-Präsident Alfred Aeppli geht es darum, «„Inhalte des christlichen Glaubens in zeitgemässer Form, verständlicher Sprache und ansprechenden Bildern so zu aktualisieren, dass in der innovativen Gestaltung die traditionellen Wurzeln spürbar sind».“ Werden Gottesdienste von Teams sorgfältig und liturgisch stimmig gestaltet, sprechen sie auch kirchenferne Menschen an. Im Kanton St. Gallen profitieren reformierte Kirchgemeinden, die neue Gottesdienste wagen, von einem «allgemein innovativen, ermutigenden Klima»“. Laut Kirchenratspräsident Dölf Weder hat man «keine Angst vor Vielfalt und vielfältigen theologischen Positionen».“ Die St. Galler Landeskirche fördert neue Projekte mit Arbeitsstellen.

Nicht andere Formen oder originelle Ideen werden die Kirche in der Postmoderne retten. Vielmehr ist das Evangelium neuartig zu denken und zu leben. Dies sagte Pfr. Alex Kurz am 7. November 2009 an der Tagung in Zürich. Kirchen werden laut Kurz von aussen anders gelesen, als sie sich selbst verstehen. Anderseits vergeistlichen sie den Markt - ähnlich verhängnisvoll. Denn dann wird Kirche entsprechend Kundenbedürfnissen gestaltet; es entstehen „Gleichgesinntenvereine ohne Ausstrahlung nach aussen“.
Der Thurgauer Kirchenratspräsident Wilfried Bührer hofft, dass die Kirche „eine Instanz für die Gesamtgesellschaft“ bleibt. Dafür „braucht es einen Mentalitätswandel, der nicht so leicht herbeizuführen ist: vom Gewohnten zum bewussten Ja, den Glauben leben zu wollen, auch in einer Minderheitensituation.“

Viele Religionen – eine Wahrheit? Auf einen Nenner lassen sich Religionen nicht bringen, und wer den Anspruch einer Religion relativiert, verfehlt ihr Wesen. Am 6. Juni 2009 fragte das LKF in Bern nach dem Woher und dem Wie des interreligiösen Dialogs. Heinzpeter Hempelmann bezeichnete das pluralistische Verständnis von Religionen als intolerant: Es schliesse den Offenbarungs-Anspruch u.a. des Christentums ungeprüft aus.
In der Pluralität haben Christen indes die Chance und Aufgabe, die Wirklichkeit von Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen zu bezeugen. Shafique Keshavjee betonte: Ob die Wahrheit allein in der eigenen, in mehreren oder allen Religionen oder jenseits von ihnen gesehen wird immer wird etwas absolut gesetzt, kommt es zu Einschluss und Ausgrenzung.

„Eine evangelische Kirche hat vom Evangelium auszugehen und zum Evangelium zurückzukehren.“ Der Basler Kirchenratspräsident Lukas Kundert schilderte dem LKF am 8. November 2008 die Kampagne credo 08, welche Volkskirche im urbanen Umfeld neu positioniert.
Gellert-Pfarrer Roger Rohner berichtete von seiner Gemeinde, wo „Menschen begeistert miteinander feiern und aneinander Anteil nehmen“. Mission sei ein „biblisches Muss auch für landeskirchliche Gemeinden“. Rohner zitierte Martin Luther: „Gottes Wort kann nicht ohne Gottes Volk sein.“ Am Nachmittag stellten sich neun Gemeinschaften, Diakonissen- und Gebetshäuser vor.

Wie entgehen reformierte Kirchen der Beliebigkeit – und andererseits der Versuchung, sich durch Abgrenzung zu definieren? Am 7. Juni 2008 thematisierte das LKF in Bern das Selbstverständnis der Reformierten und die Grundlagen, die der Genfer Reformator Jean Calvin dafür bereitstellte. Die Ökumene-Beauftragten der Zürcher und der Waadtländer Kirche, Peter Dettwiler und Martin Hoegger, blickten hinter die reformierten Fassaden.
Die Vielfalt der Kirchen mache dann Sinn, wenn sie ihre je eigenen Akzente im Blick auf die gemeinsame Berufung einsetzten, sagte Dettwiler. Calvin habe, so Hoegger, keine andere Kirche gründen, sondern der bestehenden das Hören auf das Wort Gottes, den Glauben und die herzliche Gemeinschaft der Urkirche zurückgeben wollen. Bei der Trennung, die aus der Ablehnung der Reformation durch Rom folgte, bewahrte er sich den Sinn für die Einheit der Kirche.

Sind die Christen noch überzeugt, dass das Evangelium eine gute Nachricht ist? An der Tagung von 7. November 2007 in Zürich machte der Stuttgarter Kirchenleiter Ulrich Mack Mut, mit Evangelisation Kirche alltagsnah zu gestalten. Mack betonte, es liege „im Wesen der frohen Botschaft, dass sie hinausgerufen und laut verkündigt wird“. Jede Christin und jeder Christ solle über den Glauben nachdenken und Auskunft geben können. Denn neue Religiosität sei diffus: „Wie wird aus einem spirituellen Gefühl Glaube? Wie werden an einem Kultur-Event Interessierte Christen?“
Vier Dinge zeichnen laut Mack eine wachsende Kirche aus:sprachfähiger Glaube, einladende Gottesdienste, „Kinderstuben des Glaubens“, in denen Erwachsene das Leben mit Christus entdecken können, und Gemeinden mit klarem Profil. Zu ihrem missionarischen Auftrag beschloss das LKF eine Resolution.

„Am Anfang der Liturgie, die Menschen reformiert, sind Bettler des Geistes.“ An der Tagung am 9. Juni 2007 behandelte der Zürcher Theologe Prof. Ralph Kunz die Spannung zwischen Tradition und Pop, in die der reformierte Gottesdienst geraten ist. Kunz betonte in seinem Vortrag die Offenheit des reformierten Gottesdienstverständnisses. Für Reformierte „ist Tradition nie sakrosankt“; es gelte, Liturgien zu schaffen, die der Erneuerung des Menschen dienen. Zugleich sei nach reformiertem Stilbewusstsein angesichts von katholischen, orthodoxen und charismatischen Formen zu fragen. „Es geht um den Geist und nicht um den Buchstaben. Das Wort darf getanzt, getrommelt und gejauchzt werden im Gottesdienst. Und wir bleiben reformiert. Es darf auch georgelt, gesungen und im Kanzelton gepredigt werden.“ Drei Pfarrerinnen legten dar, wie sie Gottesdienste mit ihren Gemeindegliedern entwickeln.

Wie verstehen sich die Schweizer Reformierten? Im Unterschied zu den Minderheitenkirchen in anderen Ländern haben sich die Schweizer über Jahrhunderte nicht erklären müssen: „Nun müssen wir lernen zu sagen, wer wir sind, was uns ausmacht, wofür wir einstehen“, sagte der Kirchenhistoriker Peter Opitz am 4. November 2006 an der LKF-Tagung in Zürich. Besser als durch Abgrenzung oder durch einen Bezug zur eigenen Geschichte wird Identität durch das Bekenntnis zu einer Sache gefördert. Grundsätzlich könne der Umgang mit der reformierten Tradition nicht anders als kritisch sein. Für Peter Opitz ist klar, dass „reformierte Identität immer mit dem Anfang anfangen und sich auf ganze elementare Dinge besinnen muss“.

Was macht reformierte Kirche aus? Wie schaffen wir Verbindlichkeit? An der ersten Tagung des Landeskirchen-Forums in Bern am 24. Juni 2006 ging es um die Verankerung des Kirche-Seins in Bibel, Bekenntnis und Tradition – und die Bedingungen im Schweizer Alltag. In einem grundlegenden Vortrag plädierte der Berner Theologe Gottfried W. Locher für eine „Umkehr nach vorn“. Er beleuchtete evangelisch-reformiertes Kirchesein im Spannungsfeld von Bibel, Tradition und aktuellen Herausforderungen, rief den 2000-jährigen Weg der Westkirche in Erinnerung und betonte: „Wir sind Teil der Westkirche, wir kommen aus ihr und sie lebt auch in uns weiter.“ Die evangelischen Landes- und Freikirchen, die sich in und infolge der Reformation entwickelten, sollten sich nicht durch Abgrenzung voneinander definieren, sondern einander zu ergänzen suchen.