Umstrittenes Zürcher Kirchenratspräsidium

Gina Schibler und Marcus Maitland machen Michel Müller den Vorsitz des Zürcher Kirchenrats streitig. Die beiden kritisierten am 4. Juni vor den Medien Müllers forschen Kurs in der Strukturreform KirchGemeindePlus.

Ein ungutes Klima, häufig von Angst bestimmt, sei in den letzten Jahren entstanden, sagte der Synodale Karl Stengel vom Unterstützer-Komitee. Bei KirchGemeindePlus sei der Kirchenrat manipulativ vorgegangen. Die Teilrevision der Kirchenordnung sei unter Termindruck «durchgepeitscht» worden.

Gina Schibler, 63, Pfarrerin in Volketswil, sprach von einem Malaise. KirchGemeindePlus sei ein «neoliberaler Versuch» der Landeskirche, «vermessen und verzweifelt» mit Grossgemeinden zu punkten. Durch Fusionen entstehe ein grosser Überbau – «nicht besser, nur teurer». Schibler, die sich in feministischen Kreisen bewegte, will die Reformierten angesichts der ökologischen Herausforderungen stärker profilieren – ohne Parteigebundenheit (drei amtierende Kirchenräte sind oder waren im Kantonsrat aktiv).

Marcus Maitland, 52, Pfarrer in Hittnau und Dekan im Bezirk Pfäffikon, sieht die Zukunft der reformierten Kirche in vitalen Kirchgemeinden. Diese habe die Landeskirche vor allem zu fördern, traditionsbewusst und innovativ. «Die Gemeinden sollen entscheiden, was sie weiterbringt.» Bei KirchGemeindePlus sei ein Marschhalt angezeigt.

Michel Müller ist seit 2011 im Amt. Er zeigte sich gemäss ref.ch überrascht von den Vorwürfen. Der Kirchenrat habe Zeit zum Diskutieren gegeben und Mehrheiten für seine Vorlagen gefunden.

Die aus 123 Synodalen bestehende Kirchensynode wird am 1. Oktober den Kirchenratspräsidenten und dann die übrigen sechs Kirchenräte wählen. Schibler und Maitland kandidieren für den Vorsitz wie auch fürs Gremium.

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Bild: Gina Schibler und Marcus Maitland (ganz rechts) mit Karl Stengel (links) und dem ehemaligen Synodepräsidenten Kurt Stäheli vor den Medien in Zürich.