Verletzliche Minderheiten in der Pandemie

Religiöse Minderheiten sind im Zuge der Corona-Pandemie stärker gefährdet. Diskriminierung, Hetze, Desinformation und die Sündenbockrolle tragen laut einer Analyse der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) dazu bei.

Wegen des Virus wurden Versammlungen verboten oder das Recht dazu eingeschränkt. «Die Krise hat auch die Motivation und den Deckmantel für verstärkte Verfolgung von religiösen Minderheiten sowohl durch staatliche Behörden wie durch soziale Akteure abgegeben», schreibt die Kommission für Religionsfreiheit der WEA.

Autokratische Regimes hätten ihre Macht ausgedehnt; Ordnungskräfte Massnahmen mit exzessiver Gewalt durchgesetzt. Dies wurde von der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte Michelle Bachelet scharf kritisiert.

Die zunehmende Überwachung und das Tracking von Menschen ist laut der WEA besorgniserregend. In Sri Lanka wurden Muslime zwangsweise kremiert; gegen sie wird zunehmend gehetzt. In Bangladesh wurden nach Medienberichten aus dem Hilfsfonds des Ministerpräsidenten nur Muslime mit Hilfe bedacht.

In Neuseeland zog die Regierung Kritik auf sich, da Gebetsstätten geschlossen blieben, als Einkaufszentren wieder öffnen durften.

In Somalia schürten die Al-Shabaab-Extremisten den Hass auf Nicht-Muslime, indem sie COVID-19 als eine Strafe gegen Ungläubige hinstellten. Muslime sollten ihnen kein Mitgefühl entgegenbringen.

Die WEA verweist auf Berichte aus Ägypten und Nigeria, wonach Terrorgruppen den Lockdown nutzten, um Christen anzugreifen.

Insgesamt konstatiert die Kommission für Religionsfreiheit der WEA eine grössere Verletzlichkeit religiöser Minderheiten infolge der Pandemie. Sie fordert, dass Regierungen sie mit angemessenen Massnahmen bekämpfen und alle Bürger gleich behandeln. «Die Rechte und das Wohlbefinden religiöser Minderheiten dürfen nicht vernachlässigt oder unterminiert werden.»

Quelle: WEA