«Wir wollen gemeinsam glauben»

Am 11. März haben die Kirchen Deutschlands in Hildesheim miteinander einen Buss- und Versöhnungsgottesdienst gefeiert. Zum erstenmal überhaupt begehen Protestanten und Katholiken ein Reformationsjubiläum gemeinsam.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sprachen von einem «Tag der Freude und der Hoffnung». Der von der ARD übertragene Gottesdienst schloss mit dem gemeinsamen Friedensgruss und der Selbstverpflichtung, im Vertrauen auf die Kraft des Heiligen Geistes «weitere Schritte auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Kirchen zu gehen».

Die Feier in der Michaelis-Kirche stand am Ende eines mehrjährigen Prozesses der «Heilung der Erinnerung». Angesichts der Vorbehalte war wohl noch nie ein ökumenischer Gottesdienst so sorgfältig vorbereitet worden. Bedford-Strohm und Marx hielten eine Dialog-Predigt.

In ihrem «Buss- und Versöhnungsgebet» sprachen die beiden Vorsitzenden ohne Schuldzuweisung von den «Schatten der Vergangenheit» und von der «Last unserer Entzweiung und Trennung». Marx sprach von einem «Zeichen für ein versöhntes Miteinander» und fügte hinzu: «Wir nehmen unsere Geschichte an, schauen auf das, was Christen sich gegenseitig angetan haben, und gehen gemeinsam weiter. Wir tun das nicht anklagend oder niedergedrückt, sondern in einer Haltung der Hoffnung und des neuen Aufbruchs. Dafür bin ich dankbar.»

«Das Reformationsgedenken soll ein neuer Anfang sein für einen Weg, der uns als Kirchen nicht mehr voneinander trennt, sondern zusammenführt», sagte Bedford-Strohm. «Wir wollen in der Zukunft nicht mehr getrennt glauben, wir wollen gemeinsam glauben.» Und fügte an: «Wenn alle, die heute hier dabei sind, und auch alle, die heute zuschauen und zuhören, sich gemeinsam verpflichten, die Kraft der Liebe Gottes in unserem Leben zu bezeugen, und sie selbst auszustrahlen, dann können wir diese Gesellschaft erneuern.»

Bundespräsident Joachim Gauck, der zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Norbert Lammert am Gottesdienst teilnahm, würdigte diesen angesichts der Konflikte der Vergangenheit fast als «Wunder». Und er fügte «als evangelischer Christ» hinzu, das «eigentliche ökumenische Wagnis echter Gemeinsamkeit» stehe den Kirchen noch bevor.

Die kleineren Kirchen waren durch die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) am Gottesdienst beteiligt. Er folgte auf die Teilnahme von Papst Franziskus am Versöhnungsgottesdienst mit den Spitzen des Lutherischen Weltbunds im schwedischen Lund gereist. In Hildesheim vertrat ihn Kardinal Kurt Koch. Ein weiterer Meilenstein soll eine gemeinsame Veranstaltung von Deutschen Evangelischen Kirchentag, dem Zentralkomitee der Deutschen Katholiken, EKD und Deutscher Bischofskonferenz am 16. September 2017 in Bochum sein.

Im September 2016 hatten die beiden Kirchen in Deutschland eine gemeinsame Erklärung «Erinnerung heilen – Jesus Christus bezeugen» vorgelegt.

Website «Healing of Memories» in Hildesheim

Quelle: EKD, KNA